Pontifikalgottesdienst zum Abschuss der Renovierungsarbeiten

Drei Jahre konnte die beliebte Wallfahrtskirche St. Salvator wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten von den Gläubigen nicht besucht werden. Nun erstrahlt sie in neuem Glanz.

Gerhard Kardinal Müller feierte mit Pfarrer Renner und fünf weiteren Geistlichen am Sonntag, 29. Oktober 2017, ein Pontifikalgottesdienst in der Kirche. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Donaustaufer Kirchenchor umrahmt.

Neben zahlreichen Ehrengästen und Vertretern von Pfarrei und Marktgemeinde waren auch die örtlichen Vereine mit Ihren Fahnenabordnungen vertreten. Da in der Kirche nicht ausreichend Platz für alle Gläubigen zur Verfügung stand, wurde der Gottesdienst live auf eine Großbildleinwand in der Pfarrkirche St. Michael übertragen.

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Nach dem Jesus-Wort: „Lasset die Kinder zu mir kommen“, bat Kardinal Müller zu Beginn der festlichen Messe die Kinder, nach vorne in die erste Reihe zu kommen, wo noch Platz ist.

Predigt von Gerhard Kardinal Müller

Kardinal Müller sagte, es sei eine große Freude und ein bewegender Augenblick, wenn die Salvator-Kirche wieder ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben wird. Die Menschen könnten nun wieder hierher wallfahren, um den Erlöser anzubeten und ihm alle Sorgen anzuvertrauen.

1969, so Kardinal Müller, war er zum ersten Mal in Donaustauf, weil seine Schwester mit ihrer Familie hierher gezogen ist. Da er sich für die Historie interessierte, hat er sich näher mit diesem Ort befasst, der an der Donau liegt, diesem „Schicksalsstrom Europas“, der ins Schwarze Meer mündet. Von Leo von Klenze, dem Erbauer der Walhalla, gibt es ein wunderbares Gemälde mit Walhalla und St. Salvator eingebettet in der Donau-Landschaft. Nach den Napoleonischen Kriegen herrschte Orientierungslosigkeit. Es stellt sich die Frage: Woran orientieren wir uns?

In Donaustauf gibt es sozusagen drei Leuchttürme: die Walhalla, St. Salvator und die Burg.

Die Walhalla ist weniger gedacht als ein Tempel mit griechischen Göttern. Das war nicht der Hauptgedanke. Bei Aristoteles geht es um den Aufstieg zu den höchsten Höhen der Vernunft. Vielmehr ging es um die Frage nach dem Innersten. Der Mensch fragt sich: Was ist das letzte Prinzip? Für uns ist es Gott, der uns lenkt und mit Liebe erfüllt.

Die Burg von Donaustauf sollten wir weniger unter dem Gesichtspunkt einer Festung betrachten. Hier hat der hl. Albertus Magnus gewohnt, der Bischof und zugleich Wissenschaftler war. Er steht für die Einheit von Glaube und Vernunft.

Der dritte Leuchtturm ist die Kirche St. Salvator, die dem Erlöser und Retter aller Menschen gewidmet ist. Hier erfahren wir geistige Orientierung auf Gott hin. Das Wort hat Fleisch angenommen. Durch seinen Sohn  kommt Gott uns ganz nahe und tut sein Herz für uns auf.

Gott ist die Liebe. Er ist die Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Im Evangelium ist vom höchsten Gebot die Rede: ich bin der Herr, dein Gott. Ich habe dich aus Sünde und Bosheit befreit und in das Land geführt, wo Milch und Honig fließen.  „Du sollst Gott lieben“ das ist nichts Routinemäßiges. Es gilt, Gott von ganzem Herzen zu lieben.

St. Salvator ist eine Hostienwallfahrtskirche. Durch Brot und Wein erhalten wir wahrhaft Anteil an Gott. So tut sich für jeden Menschen eine Tür auf. So werden wir befreit aus dem Dickicht des Bösen.

Der Anlass für den Bau von St. Salvator war der Raub von Hostien aus der Sulzbacher Kirche. Die Räuber nehmen das Allerheiligste Sakrament mit. Sie vergraben es im Erdreich. Die größte Gabe Gottes vergraben sie im Erdreich. Die Wallfahrt von St. Salvator ist wie ein Bild für die pilgernde Kirche. Erst ist die Wallfahrt aufgeblüht. Dann kam die Aufklärung, wo man sich über den Glauben lustig gemacht hat. Es kamen Zeiten, wo man meinte, der Glaube passe nicht in die Zeit des Fortschritts. Da hat man die Gläubigen verfolgt und die Kirchen zerstört. Kardinal Müller dachte hier z.B. an Moskau, wo unter Stalin z.B. die Moskauer Salvator-Kirche gesprengt wurde und man stattdessen ein Schwimmbad hin gebaut hat. Für die Erholung des Körpers. Aber der Mensch hat auch eine Seele. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Wir müssen unsere hohe göttliche Berufung begreifen. Unser irdisches Leben ist uns geschenkt als Gabe und Aufgabe. Jetzt sollen wir mit unseren Talenten im irdischen Leben wirken. Zugleich sollen wir aber auch unsere himmlische Berufung nicht aus den Augen verlieren. Das macht das christliche Leben aus und erfüllt uns mit Freude und Tatkraft.

Und so wollen wir hin pilgern zu Christus, dem Salvator. Er ist uns nahe so wie damals den Jüngern. In der Eucharistie empfangen wir wahrhaft die innere Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus. Der Glaube an die Gegenwart Christi in der Eucharistie ist, so Kardinal Müller, keine Theorie. Sie ist Inhalt und Fundament unseres christlichen, speziell katholischen Glaubens. Das geht über unser Denken hinaus. Aber auf dem Berg öffnet sich der Horizont. Gott bezeugt sich hier. Gott hat unser sterbliches, irdisches, leidendes Fleisch angenommen. Er hat alles auf sich genommen, bis zum Leiden am Kreuz. Und so seine Liebe bezeugt. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“.

So können wir glauben, dass auch wir nach unserem Tod wirklich in den Himmel aufgenommen und auferstehen werden.

„Kommen wir hierher zu Christus, dem Erlöser. Sprechen wir unsere Sorgen und Freuden in sein Herz hinein“, so die Aufforderung von Kardinal Müller.

Wir sollen Gott lieben mit ganzem Herzen und den Nächsten wie uns selbst, denn wir sind geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes. Mögen wir unsere Berufung erkennen und nicht das Allerheiligste vergraben, damit wir erhoben werden in diese Wirklichkeit, die Gott selber ist. Dieser Gott, der den Armen und Leidenden nah war und der für uns gestorben ist. Der uns auf unserem Lebensweg begleitet mit seiner Speise, die uns Speise ist fürs Ewige Leben. Amen.

 

Bevor uns Kardinal Müller am Ende der hl. Messe den Segen erteilte, erinnerte er uns an das Bibel-Wort: „Ein Segen sollst du sein.“ Ja, als Christen sollen wir ein Segen sein für andere.

Als Zeichen Gottes darf wohl der Wetterumschwung im Laufe des Gottesdienstes gedeutet werden: Während vor dem Gottesdienst heftiger Sturm und Regen das Geschehen prägten, öffnete sich zum Abschuss des Gottesdienstes die Wolkendecke und für den Rest des Tages lud strahlender Sonnenschein zu Gebet und zu Besichtigung der Kirche ein.

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Empfang im Pfarrsaal

Nach dem Gottesdienst formierte sich ein Festzug zum Pfarrsaal. Im Rahmen eines Stehempfangs wurde der Abschuss der Arbeiten gefeiert.

Pfarrer Renner bedankte ausführlich bei allen, die zum Gelingen der Renovierung ihren Beitrag geleistet haben. Besonderer Dank galt den öffentlichen Zuschussgebern und den vielen privaten Spendern. Landrätin Tanja Schweiger und Bürgermeister Jürgen Sommer brachten in Grußworten ihre Freude über die gelungene Renovierung zum Ausdruck.

Die Vorbereitungen für den Gottesdienst und den Stehempfang wurden von den Mitgliedern der kirchlichen Gremien und zahlreichen Gläubigen geleistet. Für das leibliche Wohl und die Gestaltung des Pfarrsaals sorgten die Damen des Katholischen Frauenbundes.

Unser Organist Max Rädlinger und eine Violinistin untermalten die Feier musikalisch.

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